Die Wahl des Implantats
Die Alternativen: Silikongel oder Kochsalzlösung
Nach einer Brustvergrößerung werden die Implantate zu ständigen „Begleitern“, viele Jahre lang, 24 Stunden am Tag. Welches Implantat ist das richtige? Leider widmen sich viele Patientinnen dieser wichtigen Frage nur oberflächlich. Die Folge: Einige lassen sich neue, nicht ausreichend erprobte „Wunderimplantate“ aufschwatzen (Beispiele: Sojaöl, Hydrogel, siehe unten), andere wissen gar nicht genau, was ihnen eingesetzt wurde – insbesondere bei Brustoperationen im Ausland.
Der Stand der Dinge: Silikon-Mehrkammerimplantate gelten heute als die sichersten. Die von seriösen Ärzten verwendeten Polster haben allesamt ein Hülle aus Silikon, gefüllt sind sie entweder mit Silikongel oder mit physiologischer Kochsalzlösung.
Silikongefüllte Implantate waren eine Zeit lang umstritten: In den USA wurde ihr Einsatz 1992 von wenigen Ausnahmen abgesehenen verboten, nachdem die Hersteller von einer Klagewelle überrollt worden waren. Der bis heute wissenschaftlich nicht bewiesene Vorwurf: Aus der Hülle ausgetretenes Silikon könne Bindegewebserkrankungen oder Rheuma auslösen. In Deutschland blieben Silikonimplantate erlaubt, derzeit prüft die amerikanische Gesundheitsbehörde (FDA) ihre Wiederzulassung. In den Ländern der EU dürfen nur Implantate (Silikongel oder Kochsalz) mit europäischem Qualitäts-Gütesiegel verwendet werden – erkennbar an dem CE-Zeichen plus vierstelligem Zahlencode.
Seit der Silikon-Diskussion in den neunziger Jahren wurden die Implantate längst technisch weiterentwickelt, mittlerweile haben sie mehrwandige Hüllen und sind mit quervernetztem, dickflüssigem Silikon-Kohäsivgel gefüllt. Ein Auslaufen ist dadurch ausgeschlossen – dennoch können unter Umständen einzelne Silikon-Tröpfchen aus der Hülle sickern. Derart geringe Mengen kann der Körper jedoch problemlos verkraften, gesundheitliche Schäden sind laut Studien nicht zu befürchten.
Als einzige Alternative zur Brustvergrößerung mit Silikongel-Kissen stehen mit Kochsalz befüllte Implantate zur Verfügung. Einhelliges Expertenurteil: Sie fühlen sich im Vergleich zu Silikongel-Implantaten weniger natürlich an. Weitere Nachteile: Bei unzureichender Füllung wirft das Kissen Falten und erzeugt bei Bewegungen ein gluckerndes Geräusch. In etwa zehn Prozent der Fälle läuft die Kochsalzfüllung ganz aus und versickert im Körper – etwa nach Verletzungen. Für den Körper stellt die physiologische (d.h. den natürlichen Lebensvorgängen entsprechende) Lösung jedoch keine Gefahr dar.
Silikon-Kritiker vermuten einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Silikonimplantaten und der Entstehung von Brustkrebs. Bis heute fehlen dafür wissenschaftliche Beweise. Silikongel und Kochsalz gelten als sichere Füllmaterialien für Brustimplantate, dennoch bleibt festzuhalten: Jedes Implantat ist ein Fremdkörper, der dauerhaft in das Gewebe eingebracht wird. Daher könnten rein theoretisch auch Jahrzehnte nach dem Einbringen der Implantate bislang nicht bekannte Komplikationen auftreten. Muss eine Frau, die sich mit Silikongelimplantaten die Brüste vergrößern lässt, im hohen Alter mit bislang unbekannten Langzeitnebenwirkungen rechnen? Nach dem derzeitigem Kenntnisstand ist dies unwahrscheinlich und nicht zu erwarten, dennoch gilt: Wirklich hundertprozentige Klarheit werden erst die Ergebnisse der zahlreichen noch laufenden wissenschaftlichen Langzeitstudien bringen – in etwa 10 bis 15 Jahren.
Nicht zugelassen: Sojaöl und Hydrogel
Ein Zeit lang wurden Sojaöl-Implantate als wegweisende Innovation gepriesen – ohne dass entsprechende Studien und Erfahrungswerte vorlagen, die eine langfristige Verträglichkeit bescheinigten. Dennoch: Ein mit Biostoff gefülltes Implantat – das klang gut, das hörten die Patienten gerne. Nicht wenige Ärzte ließen sich auf Brustvergrößerungen mit Sojaöl ein – bis sich die angeblichen Wunderimplantate als tickende Zeitbombe erwiesen und Ende der neunziger Jahre wegen starker Gesundheitsrisiken vom Markt genommen wurden: Das Sojaöl sickerte nach einiger Zeit durch die Implantathüllen ins Gewebe und gab über die Haut einen ranzigen Geruch ab. Noch schlimmer: Man musste davon ausgehen, dass im Gewebe versickertes Sojaöl langfristig krebserregend sein kann. Frauen mit Sojaöl-Implantaten wurden aufgefordert, sich diese umgehend entfernen zu lassen.
Auch Hydrogel ist als Füllmaterial für Brustimplantate mittlerweile nicht mehr auf dem Markt. Erfahrungen über einen längeren Zeitraum fehlten, die Hersteller konnten den Nachweis der Gebewebverträglichkeit nicht erbringen. Deshalb: Hüten Sie sich vor angeblichen Innovationen. Derzeit kommen für die Brustvergrößerung nur mit Silikongel und Kochsalzlösung gefüllte Implantate in Frage.