Über zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden unter unkontrollierter Schweißproduktion im Achselbereich – sowohl bei Kälte als auch bei Wärme, völlig unabhängig von Jahres- oder Tageszeit und körperlichen Aktivitäten. Verantwortlich ist eine vererbbare Störung des vegetativen Nervensystems (medizinisch: Hyperhidrose). Für die Betroffenen weitet sich die Neigung zu übermäßiger Schweißproduktion zu einer schweren Belastung aus, die das gesamte Leben bestimmt: Vielschwitzer tragen häufig weite, dunkle Kleidung, damit die Schweißflecken unter den Achseln nicht sichtbar sind. Häufig verbrauchen sie so viel Deodorant und Parfüm an einem Tag wie andere in einer Woche. Im Sommer ziehen sie sich bis zu drei Mal am Tag um, duschen mehrmals täglich – und schwitzen kurz darauf doch wieder. In vielen Fällen weitet sich das körperliche Leiden zum psychischem Problem aus: Betroffene sind gehemmt im Umgang mit anderen Menschen – im Hinterkopf spukt immer die Angst, es könne der Eindruck entstehen, regelmäßige Körperpflege und Hygiene würden vernachlässigt. Dieses Gefühl des Unbehagens führt wiederum dazu, dass noch mehr Schweiß produziert wird – ein Teufelskreis. Früher halfen gegen krankhafte Schweißattacken nur zeitaufwendige und invasive (einschneidende) OP-Verfahren, zum Teil verbunden mit dem Risiko einer Vollnarkose und anschließenden Krankenhausaufenthalt. Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, krankhafte Schweißdrüsen an der Achsel ambulant und in örtlicher Betäubung (Tumeszenzlokalanästhesie) abzusaugen. Die OP-Technik erinnert an die Fettabsaugung: In maximal einer halben Stunde entfernt der Operateur die Schweißdrüsen mit Hilfe von dünnen Spezialkanülen. In Einzelfällen werden die OP-Kosten von der Krankenkasse übernommen.