Kollagen und Hyaluronsäure liefern als Füllsubstanzen ansprechende Ergebnisse – mit einem Nachteil: Sie halten nur für einige Monate, dann muss nachgespritzt werden. Mischsubstanzen sollen Abhilfe schaffen: Dabei sorgen mikroskopisch kleine Kunststoffkügelchen für dauerhafte Haltbarkeit. Entweder werden sie in Kollagen (Artecoll®) oder in Hyaluronsäure (Dermalive®) eingelagert. Der Newcomer unter den künstlichen Füllern heißt Aquamid®, ein durchsichtiges Hydro-Gel, das zu 97,5 Prozent aus Wasser und zum Rest aus Polyacrylamid besteht. Artecoll® und Dermalive® eignen sich in erster Linie für tiefere Alters- und Mimikfalten, Aquamid® kann gegen jede Art von Gesichtsfalten eingesetzt werden. Die Funktionsweise ist immer dieselbe: Die Trägersubstanzen bauen sich nach der Injektion von selbst ab, die künstlichen Minipartikel bleiben, kapseln sich ein, bilden neues Bindegewebe und reduzieren so dauerhaft die darüber liegende Falte.
Unkalkulierbare und dauerhafte Komplikationsgefahr
Die bislang genannten Mischsubstanzen sind im deutschsprachigem Raum die populärsten, das Gesamtangebot an nicht resorbierbaren Füllern ist weitaus größer, alle gemeinsam sind sie äußerst umstritten: Viele seriöse Ärzte lehnen es ab, mit ihnen zu arbeiten, auch die Fachverbände stehen nicht abbaubaren Füllstoffen sehr skeptisch gegenüber. Zwar gibt es durchaus Patienten, die auch mehrere Jahre nach der Behandlung mit dem Resultat zufrieden sind. Demgegenüber steht eine sehr hohe Komplikationsgefahr, besonders bei unsachgemäßer Anwendung: Der Arzt darf sich bei der Anwendung keinerlei Fehler erlauben. Sonst können kaum zu behebende Makel im Gesicht auftreten. Unter der Haut können sich ertastbare Geschwülste und Knötchen (Granulome) bilden (bis hin zu Tischtennisballgröße) – besonders bei falsch platzierter oder zu hoher Dosis. Außerdem sind auch nach Jahren unabhängig von der Menge eitrige Entzündungen und Abstoßungsreaktionen möglich. Nachkorrekturen gestalten sich ausgesprochen schwer: Die künstlichen Füllmaterialien lassen sich entweder gar nicht oder nur mit hohem chirurgischen Aufwand wieder aus dem Körper entfernen. Im schlimmsten Fall bleiben deutlich sichtbare Narben im Gesicht zurück.
Wie verhält sich ein in Nasolabial- oder Stirnfalte eingebrachter künstlicher Füller zwanzig Jahre später? Bleiben die winzigen Kunststoffpartikelchen auch im hohen Alter an der eingebrachten Stelle oder wandern sie im Gewebe umher? Noch weiß kein Arzt der Welt auf derartige Fragen endgültige Antworten. Dabei kommt es vor, dass Hersteller und Anwender von dauerhaft haltbaren Füllstoffen damit werben, es seien keine langfristigen Nebenwirkungen registriert worden. Was gerne verschwiegen oder im Kleingedruckten versteckt wird: Die auf dem Markt befindlichen nicht resorbierbaren Füllmaterialien sind in allesamt viel zu „jung“, um wissenschaftlich belegbare Aussagen in Bezug auf Langzeitnebenwirkungen zu treffen. Da Komplikationen nicht meldepflichtig sind, weiß keiner, wie hoch der Prozentsatz der Patienten wirklich ist, die die Permanentfiller nicht vertragen. Im Grunde genommen ist die Rechung einfach: Der Patient zahlt für die dauerhafte Haltbarkeit des „Fremdkörpers“ in der Haut den Preis einer dauerhaft-unkalkulierbaren Komplikationsgefahr.
Auch CE-geprüfte Kunststoff-Filler sind bedenklich
Lassen Sie sich nicht davon blenden, wenn ein künstlicher Füllstoff das CE-Zertifikat (Conformité Européenne) von der EU erhalten hat. Dies bedeutet zwar, dass die Produktqualität bestimmten Qualitätskriterien gerecht wird, es handelt sich aber keineswegs um ein „Geprüft-und-unbedenklich“-Gütesiegel bezüglich Risiken und Nebenwirkungen. Im Zweifelsfall können Sie bei den renommierten Fachverbänden nachfragen, ob für ein Füllmaterial Erfahrungswerte und Studien vorliegen.
Fäden und Schläuche aus Kunststoff
Hätten Sie das gewusst: Fast jeder von uns hat ein Material im Kleiderschrank, das auch für Schönheitsoperationen verwendet wird: Gore-Tex (Polytetrafluorethylen). Die Bekleidungsindustrie nutzt es für atmungsaktive Sportswear, in der Schönheitsmedizin wird es in entsprechend modifizierter Aufbereitung für die Gesichtsfalten-unterpolsterung mit feinen Fäden oder Schläuchen benutzt. Handelsnamen: Gore-Tex® oder SoftForm® ( jeweils ab 1000 Euro). Das Prinzip: Der Faden oder Schlauch wird als Implantat unter tiefe Mimikfalten gelegt, dass Bindegewebe umwächst ihn, in der Folge verschwindet die darüber liegende Falte. Vorteil gegenüber den nicht resorbierbaren Kunstfüllern: Bei Komplikation kann der künstliche Faden oder Schlauch einfacher chirurgisch entfernt werden. Der Eingriff wird in lokaler Betäubung durchgeführt. Das Risiko: Es kann auch hier nach mehren Jahren noch zu Abwehrreaktionen, Granulomen (Knötchen) und Entzündungen kommen. Anfangs nimmt der Patient den Faden spürbar als Fremdkörper wahr. Nach dem Eingriff kommt es zu Schwellungen und Blutergüssen, erst nach einigen Tagen ist man wieder gesellschaftsfähig.
Vorteil: Der Faden kann dauerhaft im Körper bleiben. Bei einem erfahrenem Arzt hält sich das Komplikationsrisiko in überschaubaren Grenzen. Dennoch gilt wie bei jedem anderen in den Körper eingebrachten Fremdkörper: Es besteht auch bei medizinisch einwandfreier Behandlung ein Restrisiko. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung mindestens zwei Ärzte und diskutieren Sie risikoarme Alternativen. Übrigens: Gore-Tex® oder SoftForm® können auch zur Lippenvergrößerung eingesetzt werden.