„An staatlichen Krankenhäusern oder Universitätskliniken ist die Gefahr von Komplikationen am geringsten“ – von diesem Pauschalurteil gehen viele potenzielle Schönheits-OP-Patienten aus, die Angst vor Ärztepfusch haben – zu Unrecht: Wie so oft wird nur eine differenzierte Sichtweise der Wirklichkeit gerecht, und die wartet mit empfehlenswerten Spezialisten sowohl an öffentlichen Krankenhäusern als auch an staatlich konzessionierten Privatkliniken auf. Zwar haben selbsternannte Schönheitschirurgen ohne Facharzttitel an staatlichen Kliniken eine geringere Chance. Andererseits arbeiten die meisten Chirurgen an Krankenhäusern und Universitätskliniken in erste Linie in der Wiederherstellung oder der Behandlung von Krankheiten und reservieren als Zusatzverdienst nur bestimmte Termine für schönheitssuchende Privatpatienten. Als Angestellte einer öffentlichen Institution können sie zudem für die Ergebnisse der von Ihnen vorgenommenen Schönheitsoperationen nicht persönlich haftbar gemacht werden. Folge: In öffentlichen Krankenhäusern angestellte Ärzte stehen bei Schönheitsoperationen prinzipiell weniger unter Druck, „gute Arbeit“ abzuliefern als ihre Kollegen in Privatkliniken, die vom guten Ruf leben und sich meist ausschließlich auf ästhetische Eingriffe konzentrieren. Dafür müssen Privatkliniken im Gegensatz zu staatlichen Kliniken die Unterhalts- und Personalkosten selbst finanzieren und stehen eher unter dem Druck, Gewinn zu erwirtschaften.
Im Endeffekt zählt in erster Linie, ob der Arzt ausreichende Praxis im gewünschten Eingriff nachweisen kann. Wenn ein Facharzt nur vier ästhetische Nasenkorrekturen im Jahr vornimmt, helfen ihm auch vermeintlich beeindruckende Attribute wie ein Professoren- oder ein zweiter Doktortitel nichts. Für eine ästhetische Nasenkorrektur fehlt ihm schlicht und ergreifend die entsprechende Praxis.
Leider ist der Markt für Schönheitsoperation in den vergangenen Jahren nicht übersichtlicher geworden: In Zeiten von Gesundheitsreform und schwindenden Ärzteeinnahmen setzen vermehrt sogenannte „Schönheitsinstitute“ und Praxen auf die lukrative Wachstumsbranche. Damit steigt die Zahl der Ärzte, die sich auch ohne zeitaufwendige ästhetisch-plastische Weiterbildung oder gar ohne jede Facharztausbildung einem Teil vom milliardenschweren Kuchen abschneiden möchten.
Noch einmal: Eine allgemeingültige Empfehlung für oder gegen die Ärzte an öffentliche Krankenhäusern oder Privatkliniken gibt es nicht. Klären Sie in jedem Fall möglichst schon bei der Vorrecherche (und nicht erst im Beratungsgespräch) , ob der Arzt die notwendigen Mindestkriterien erfüllt: Facharzttitel, Spezialisierung auf ästhetische Eingriffe, Mitgliedschaft in einem renommierten Fachverband. Und fragen Sie, wie oft er den gewünschten Eingriff schon ausgeführt hat. Nur, wenn der Arzt die notwendige Routine hat, minimiert sich das Risiko von Komplikationen.