Im Lateinischen bedeutet Brust „Mamma“ – dementsprechend wird die Brustvergrößerung im medizinischem Sprachgebrauch als „Mamma-Augmentation“ bezeichnet. In den achtziger Jahren war ein solcher Eingriff noch mit drei Wochen Krankenhaus verbunden, heute bleibt die Patientin meist nur eine Nacht in der Klinik. Die OP-Techniken wurden permanent verfeinert und sind heute um eine vielfaches narbenärmer und gewebeschonender.
Mit dem Oberweite-Wettrüsten von Sternchen wie der Britin Katie Price hat die seriöse Brustchirurgie nichts gemein. Gefragt sind in erster Linie natürlich aussehende Ergebnisse, die zum jeweiligem Typ und zum Körper der Patientin passen. Während Katie Price insgesamt drei Vergrößerungen – von Körbchengröße B auf FF – nachgesagt werden, sollten andere Frauen normalerweise auf nicht mehr als Körbchengröße C aufstocken lassen. Dabei entspricht der deutsche Durchschnittsbusen der BH-Größe 75B. Dem Wunsch nach einem „Atombusen“ kommen seriöse Operateure nicht nach, sie versuchen der Patientin im Beratungsgespräch zu vermitteln, dass ein derartiger Eingriff weder aus ästhetischer noch aus medizinischer Sicht zu vertreten ist.
Die Alternativen: Silikongel oder Kochsalzlösung
Nach einer Brustvergrößerung werden die Implantate zu ständigen „Begleitern“, viele Jahre lang, 24 Stunden am Tag. Welches Implantat ist das richtige? Leider widmen sich viele Patientinnen dieser wichtigen Frage nur oberflächlich. Die Folge: Einige lassen sich neue, nicht ausreichend erprobte „Wunderimplantate“ aufschwatzen (Beispiele: Sojaöl, Hydrogel, siehe unten), andere wissen gar nicht genau, was ihnen eingesetzt wurde – insbesondere bei Brustoperationen im Ausland.
Der Stand der Dinge: Silikon-Mehrkammerimplantate gelten heute als die sichersten. Die von seriösen Ärzten verwendeten Polster haben allesamt ein Hülle aus Silikon, gefüllt sind sie entweder mit Silikongel oder mit physiologischer Kochsalzlösung.
Silikongefüllte Implantate waren eine Zeit lang umstritten: In den USA wurde ihr Einsatz 1992 von wenigen Ausnahmen abgesehenen verboten, nachdem die Hersteller von einer Klagewelle überrollt worden waren. Der bis heute wissenschaftlich nicht bewiesene Vorwurf: Aus der Hülle ausgetretenes Silikon könne Bindegewebserkrankungen oder Rheuma auslösen. In Deutschland blieben Silikonimplantate erlaubt, derzeit prüft die amerikanische Gesundheitsbehörde (FDA) ihre Wiederzulassung. In den Ländern der EU dürfen nur Implantate (Silikongel oder Kochsalz) mit europäischem Qualitäts-Gütesiegel verwendet werden – erkennbar an dem CE-Zeichen plus vierstelligem Zahlencode.
Seit der Silikon-Diskussion in den neunziger Jahren wurden die Implantate längst technisch weiterentwickelt, mittlerweile haben sie mehrwandige Hüllen und sind mit quervernetztem, dickflüssigem Silikon-Kohäsivgel gefüllt. Ein Auslaufen ist dadurch ausgeschlossen – dennoch können unter Umständen einzelne Silikon-Tröpfchen aus der Hülle sickern. Derart geringe Mengen kann der Körper jedoch problemlos verkraften, gesundheitliche Schäden sind laut Studien nicht zu befürchten.
Als einzige Alternative zur Brustvergrößerung mit Silikongel-Kissen stehen mit Kochsalz befüllte Implantate zur Verfügung. Einhelliges Expertenurteil: Sie fühlen sich im Vergleich zu Silikongel-Implantaten weniger natürlich an. Weitere Nachteile: Bei unzureichender Füllung wirft das Kissen Falten und erzeugt bei Bewegungen ein gluckerndes Geräusch. In etwa zehn Prozent der Fälle läuft die Kochsalzfüllung ganz aus und versickert im Körper – etwa nach Verletzungen. Für den Körper stellt die physiologische (d.h. den natürlichen Lebensvorgängen entsprechende) Lösung jedoch keine Gefahr dar.
Silikon-Kritiker vermuten einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Silikonimplantaten und der Entstehung von Brustkrebs. Bis heute fehlen dafür wissenschaftliche Beweise. Silikongel und Kochsalz gelten als sichere Füllmaterialien für Brustimplantate, dennoch bleibt festzuhalten: Jedes Implantat ist ein Fremdkörper, der dauerhaft in das Gewebe eingebracht wird. Daher könnten rein theoretisch auch Jahrzehnte nach dem Einbringen der Implantate bislang nicht bekannte Komplikationen auftreten. Muss eine Frau, die sich mit Silikongelimplantaten die Brüste vergrößern lässt, im hohen Alter mit bislang unbekannten Langzeitnebenwirkungen rechnen? Nach dem derzeitigem Kenntnisstand ist dies unwahrscheinlich und nicht zu erwarten, dennoch gilt: Wirklich hundertprozentige Klarheit werden erst die Ergebnisse der zahlreichen noch laufenden wissenschaftlichen Langzeitstudien bringen – in etwa 10 bis 15 Jahren.
Nicht zugelassen: Sojaöl und Hydrogel
Ein Zeit lang wurden Sojaöl-Implantate als wegweisende Innovation gepriesen – ohne dass entsprechende Studien und Erfahrungswerte vorlagen, die eine langfristige Verträglichkeit bescheinigten. Dennoch: Ein mit Biostoff gefülltes Implantat – das klang gut, das hörten die Patienten gerne. Nicht wenige Ärzte ließen sich auf Brustvergrößerungen mit Sojaöl ein – bis sich die angeblichen Wunderimplantate als tickende Zeitbombe erwiesen und Ende der neunziger Jahre wegen starker Gesundheitsrisiken vom Markt genommen wurden: Das Sojaöl sickerte nach einiger Zeit durch die Implantathüllen ins Gewebe und gab über die Haut einen ranzigen Geruch ab. Noch schlimmer: Man musste davon ausgehen, dass im Gewebe versickertes Sojaöl langfristig krebserregend sein kann. Frauen mit Sojaöl-Implantaten wurden aufgefordert, sich diese umgehend entfernen zu lassen.
Auch Hydrogel ist als Füllmaterial für Brustimplantate mittlerweile nicht mehr auf dem Markt. Erfahrungen über einen längeren Zeitraum fehlten, die Hersteller konnten den Nachweis der Gebewebverträglichkeit nicht erbringen. Deshalb: Hüten Sie sich vor angeblichen Innovationen. Derzeit kommen für die Brustvergrößerung nur mit Silikongel und Kochsalzlösung gefüllte Implantate in Frage.
Nicht nur die Füllung, auch die Größe, Form und Oberflächengestaltung der Implantate sollten Sie vor der Operation ausführlich mit dem Arzt besprechen. Rund wie eine Halbkugel oder anatomisch (tropfenförmig) – ausgehend von diesen beiden Grundmodellen bieten führende Hersteller wie Inamed (McGhan) und Mentor eine Vielzahl von Implantaten eine Vielzahl von Variationen in unterschiedlichen Höhen und Ausformungen an. So ist es möglich für jede Brust gemäß der angestrebten Vergrößerung das passende Implantat bereitzuhalten. Die theoretische Größe für ein Implantat reicht von 60 bis 600 Kubikzentimetern, die weibliche Brust misst im Durchschnitt bereits etwa 200 bis 300 Kubikzentimeter, pro Seite wird durchschnittlich um ca. 200 Kubikzentimeter Volumen zugelegt, seriöse Ärzte implantieren maximal 400 Kubikzentimeter pro Brust. Wichtig: Nicht jede Implantatform passt zu jeder Brust. So ist zum Beispiel ein großes, rundes Implantat für eine von Natur aus kleine Brust ungeeignet, da sich die Konturen in einem solchen Fall leicht durch Haut- und Fettschicht abzeichnen.
Eine wichtige Rolle spielt die Oberfläche der Implantatshülle, die unabhängig von der Füllung mit Silikongel oder Kochsalzlösung immer aus Silikon gefertigt ist. Die modernen mehrwandigen Implantate verfügen über eine texturierte (aufgeraute) Oberfläche. Implantate mit glatter Oberfläche werden kaum noch verwendet, bei ihnen besteht eine höheres Kapselfibrose-Risiko (siehe Risiken und Nebenwirkungen).
Seit neuestem werden Silikongelimplantate mit Titanbeschichtung angeboten. Die dünne Titanschicht soll helfen, Gewebeverhärtungen und –verkapselungen zu verhindern. Aber: Noch fehlen wissenschaftliche Langezeitstudien und Erfahrungswerte bezüglich der Verträglichkeit, so lange diese nicht vorliegen wird der Patient zum Versuchskaninchen.