Sie kommen nicht von heute auf morgen, sondern langsam und schleichend – manchmal erst mit Anfang dreißig, oft schon mit Mitte zwanzig: Falten. Besonders gerne machen sie sich im Gesicht breit. Bis zu 30 000 Mal pro Tag bewegen wir unsere Gesichtsmuskeln, die Gesichtshaut ist am dünnsten und anfälligsten, Alterungsprozesse sind früher zu sehen als in anderen Körperbereichen. Der Grund: Im Laufe der Zeit verliert die Gesichtshaut unaufhaltsam ihr stützendes Polster aus Kollagen und Elastin, Proteinen und feuchtigkeitspendenden Substanzen wie Hyaluronsäure. Das Gewebe bewegt sich der Schwerkraft folgend nach unten.
Verhindern können wir das nicht, Falten sind etwas Natürliches. Beeinflussen, ob wir die Falten früher oder später bekommen, können wir sehr wohl. Genauso können wir dafür sorgen, dass sie sich nicht schon gegen Mitte dreißig zu Furchen ausweiten. Mit entsprechender Pflege und Lebensweise.
Wie man Falten vorbeugt
Wie schnell unsere Haut altert, hängt zu etwa fünfzig Prozent von unseren Erbanlagen ab, für die restlichen fünfzig Prozent sind äußere und somit durchaus steuerbare Einflüsse verantwortlich. Eine gesunde und bewusste Lebensführung gilt als der Schlüssel für verlangsamte Hautalterung. Der ärgste Feind dabei: Freie Radikale. Diese aggressiven Sauerstoffatome sind so etwas wie terroristische Stoßtrupps, die aus dem Untergrund des Körpers heraus Hautzellen attackieren. In kleiner Zahl können sie uns nichts anhaben: Körpereigene „Antiterroreinheiten“ (Antioxidantien) machen sie unschädlich. Ihr Stunde schlägt bei ungesunder Lebensweise. Dann vermehren sie sich schlagartig und beschleunigen die normale Hautalterung. Dem kann jeder vorbeugen, die Rezepte sind einfach: Ausreichend lange Tiefschlafphasen, regelmäßiger Sport, fettarme und vitaminreiche Ernährung, regelmäßiges Auftragen von Feuchtigkeitscreme. So weit wie möglich vermeiden sollte man: Zigaretten und Alkohol, Stress und vor allem ausgedehnte Sonnenbäder (nur mit ausreichendem UVA- und UVB-Schutz!).
Ein faltenfreies Leben gibt es nicht
Vorbeugungsmaßnahmen gegen Falten in die Praxis umzusetzen, ist nicht immer einfach. Niemand lebt perfekt, in der ein oder anderen Form sündigt jeder. Der eine feiert mit Anfang zwanzig regelmäßig die Nächte durch, der andere vergisst beim Sonnenbad immer wieder das Eincremen, und auch die negativen Auswirkungen von Prüfungsstress oder Ärger am Arbeitsplatz haben die meisten schon einmal erlebt. Außerdem kann kein noch so ausgeklügeltes Anti-Falten-Programm private Schicksalsschläge oder Beziehungskrisen verhindern, die Grund zu dauerhaftem Stirnrunzeln oder Grübeln geben.
Ob wir wollen oder nicht: Stress und Anspannung haben unmittelbare Auswirkungen auf den Zustand unserer Haut – besonders dort, wo sich unserer Seelenzustand unübersehbar wiederspiegelt: Im Gesicht. Bei Angst steht uns der Schweiß auf der Stirn, bei Scham und Unbehagen erröten wir, wenn wir uns erschrecken, zieht Blässe auf. Nicht nur das: Früher oder später schlägt sich die alltägliche Mimik in Form von Falten nieder. Zwischen Nasenflügeln und Mundwinkel entsteht die so genannte Nasolabialfalte, zwischen den Augenbrauen macht sich die senkrecht verlaufende „Zornesfalte“ bemerkbar, quer über die Stirn verlaufen die sogenannten „Sorgenfalten“. Im Laufe der Zeit können die Lachfalten seitlich der Augen so stark zunehmen, dass sie auch bleiben, wenn es ernst wird („Krähenfüße“). Zusätzlich zu den Mimikfalten beschert uns die schädliche UV-Strahlung der Sonne an Stirn, Wangen und rund um die Augen feine Trockenheits- und Knitterfältchen. Fachleute sprechen von „Lichtalterung“ oder „Photoaging“. Auch bei gesunder Lebensweise zeigen sich früher oder später die Zeichen der Zeit: Hängende Mundwinkel, schmale Lippen, eingesunkene Wangen, „Hamsterbäckchen“, und „Truthahnhals“. Die Konturen sinken ab, die Gesichtshaut verliert ihre Straffheit.
Einen allgemeinwirksamen Faltenkiller gibt es nicht, je nach Art und Tiefe der Falten bestehen verschiedene Therapiemöglichkeiten: Anti-Aging-Cremes werden in Hülle und Fülle angeboten. Nicht alle halten das, was sie versprechen. Einige können jedoch durchaus oberflächliche Trockenheits- oder Knitterfältchen vermindern und manchmal sogar „weggecremen“. Das Resultat ist allerdings meist nicht mit bloßem Auge zu erkennen. Für die Qualität einer Creme spricht, wenn sie einen oder mehrere der folgenden Inhaltsstoffe enthält: Vitamin A (Retinol), Vitamin C, Coenzym Q10, Glykolsäure und Spurenelemente wie Kupfer – sie bewirken nachweislich eine Mehrproduktion von Kollagen. Auch Cremes, die wasserbindende Hyaluronsäure enthalten, bringen nicht selten ansprechende Ergebnisse gegen Trockenheits- und Knitterfältchen.
Die Wundercreme gegen Mimikfalten ist dagegen noch nicht erfunden worden. Durch Botox-Injektionen und Unterspritzungen mit abbaubaren Füllmaterialien oder Eigenfetttransfer lassen sie sich mit relativ wenig Aufwand zumindest zeitweise glätten. Kleinere Altersfalten und sonnengegerbte Haut kann man mit chemischen Peelings oder per Laser (Skin-Resurfacing) reduzieren .
Lassen Sie sich im Zweifelsfall von mehreren Ärzte beraten, um herauszufinden welche Art der Faltenkorrektur in Ihrem Fall die richtige ist. Auch wenn die bisher beschriebenen Maßnahmen viele chirurgische Schönheits-Eingriffe im Gesicht überflüssig gemacht haben: Bei allgemein erschlafften Gesichtskonturen ist eventuell ein umfassendes Facelift die Methode der Wahl .
„Entfaltung“ per Spritze
Die Qual der Wahl: Zur Faltenunterspritzung werden mehrere Dutzend verschiedene Füllstoffe (auch „Filler“ genannt) eingesetzt. Seit Jahren bewährt haben sich die Klassiker Kollagen, Hyaluronsäure und Eigenfett – biologische Stoffe, die auch von Natur aus im Körper vorhanden sind. Sie geben dem Gewebe die fehlende Stütze dort zurück, wo sich Lebenslinien eingegraben haben (zum Beispiel Nasolabialfalten, Plisséfältchen auf der Oberlippe sowie vom Mundwinkel Richtung Kinn verlaufende Mentolabialfalten).
Die Risiken sind überschaubar, Langzeitnebenwirkungen können aufgrund von umfangreichen Studien ausgeschlossen werden, und in aller Regel ist man sofort wieder gesellschafts- und arbeitsfähig (zur Sicherheit keine wichtigen Termine direkt nach der Behandlung einplanen). Einziger Nachteil: Die glättende Wirkung vergeht, die körperidentischen Filler bauen sich von selbst wieder ab und müssen regelmäßig nachgespritzt werden (lediglich Eigenfett bringt in einigen Fällen ein dauerhaftes Ergebnis). Künstliche Füllstoffe halten dauerhaft, dafür fehlen in der Regel wissenschaftliche Langzeitstudien. Kein seriöser Arzt würde ihre Unbedenklichkeit beschwören, dafür sind einige der nichtresorbierbaren Präparate noch nicht lange genug erprobt, andere können auch noch Jahre nach der Injektion zu eiternden Knötchen (Granulome) führen. Hinzu kommt: Bei solchen Komplikationen können die Kunststoffpartikel nur mit großem chirurgischem Aufwand wieder entfernt werden.
Zur populärsten Alternative zur Unterspritzungen von Mimikfalten ist die Injektion von Botulinumtoxin avanciert, die dazu führt das faltenauslösende Gesichtsmuskeln zeitweise lahm gelegt und somit entspannt werden. Hauptanwendungsgebiet: Die „Zornesfalte“ zwischen den Augenbrauen.