Manchmal avancieren Markennamen zum allgemeingebräuchlichem Synonymen. Bestes Beispiel: Wenn wir „ein Tempo“ sagen, meinen wir „ein Papier-Taschentuch“ – obwohl es Dutzende anderer Taschentuchmarken gibt. Ähnliches gilt für die Faltenbehandlung mit Botulinumtoxin – einem Stoffwechselprodukt des Bakterienstammes Clostridium botulinum. In den Medien und damit auch im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich die Bezeichnung „Botox“ eingebürgert – tatsächlich gibt es aber derzeit mindestens zwei entsprechende Anti-Falten-Produkte auf dem deutschen Markt: Gebräuchlich sind zum einem Botox®, zum anderen Dysport®. Sie unterscheiden sich nur sehr geringfügig in ihrer Zusammensetzung, die Wirkung ist die gleiche: Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das in sehr hoher Dosierung tödlich ist und in sehr geringer Dosierung gezielt dazu eingesetzt werden kann, die Impulsübertragung vom Nerv auf den Muskel zu unterbrechen. Ende der siebziger Jahre wurde es von der amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) erstmals für den medizinischen Einsatz beim Menschen freigegeben. Anfangs setzten es Neurologen und Augenärzte zur Entspannung bei Muskelverkrampfungen ein. Durch die Zufallsentdeckung eines kanadischen Ärzteehepaares begann der weltweite Siegszug als Faltenkiller: Bei einer Lidkrampfbehandlung mit Botulinumtoxin stellten die beiden beeindruckende Nebenwirkungen fest. Die gezielte Muskellähmung bewirkte einem entspannten Gesichtsausdruck, die Falten an der betreffenden Stelle verminderten sich, die Haut wirkte deutlich glatter. Seit Mitte der neunziger Jahre wird Botulinumtoxin im großen Stil für die Gesichtsfaltenkorrektur aus rein ästhetischen Gründen eingesetzt, in den USA erhielt die Substanz 2002 von der Food and Drug Administration (FDA) dazu die offizielle Zulassung. Dort werden längst weit über eine Millionen Botulinumtoxin-Faltenbehandlungen pro Jahr registriert, aktuellen Schätzungen zufolge dürfte die entsprechende Zahl in Deutschland die 100 000-Grenze deutlich überschreiten.
Entscheidend ist nicht, ob ein Arzt mit Botox® oder mit Dysport® arbeitet, vielmehr zählt, dass er richtig dosierte Spritzen zielgenau injiziert. Bei korrekter Anwendung treten nur sehr selten Komplikationen auf. Unter Ärzten gilt die Faltenbehandlung mit Botulinumtoxin als risikoarmer Eingriff. Vorsichtige Ärzte warnen jedoch vor Injektionen im unteren Gesichtsbereich und am Hals. Diese gehören allenfalls in die Hände von ausgewiesenen Spezialisten, da die Gefahr von vorübergehenden Lähmungserscheinungen deutlich höher ist. Mimikfalten um den Mund, Nasolabialfalten und Lippenfältchen sollten eher mit einem körperidentischen Füllmaterial unterspritzt werden. Am besten eignet sich Botox zur Behandlung von kleineren Mimikfalten im Stirnbereich („Sorgenfalten“), neben den Augen („Krähenfüße“) und zwischen den Augenbrauen („Zornesfalte“). Bei tieferen Mimikfalten wird häufig mit Botox vorbehandelt, dann die Restfalte mit Hyaluronsäure oder einem anderen resorbierbarem Filler unterpolstert.